Startort Zielort km Gehzeit inkl. kurzer Pausen Höhenmeter im Aufstieg Höhe am Gipfel Bewertung der Herausforderung
Kraft Ausdauer Exponiertheit
                 
Grenzgletscher
Abstieg über den Grenzgletscher
Kommentar

 

Tourbeschreibung

Begehung vom 13.07.2009 bis 17.07.2009 mit den Bergführern Berni und Andi von der Bergschule Oberallgäu www.alpinschule.de


Empfohlener Talstützpunkt

Eigentlich ist Zermatt der Startpunkt für die Rundtour, da man mit der Seilbahn zum "Klein Matterhorn" auffährt. Nach Zermatt darf man jedoch nicht mit dem Auto fahren. Deswegen bietet es sich an in einem Vorort von Zermatt die erste Nacht zu verbringen. Sehr gute Erfahrung macht man, wenn man im Hotel "Bergfreund" in Herbriggen übernachtet. Es gibt hier Parkplätze und preisgünstige Mehrbettzimmer. Das Essen ist sehr gut und die Wirtin Rosi ist einmalig freundlich! Als Service bietet das Hotel einen kostengünstigen Taxi-Transfer nach Zermatt an. Natürlich wird man am Ende der Tour auch wieder in Zermatt abgeholt.


Anfahrt

Lindau => A14 Rheintalautobahn (Österreich) => A13 (Schweiz) => A3 nach Glarus, weiter auf der A3, A4 und A14 Richtung Luzern => Interlaken => Faulensee => mit der Bahn durch den Lötschbergtunnel (Autotransport, bei dem man kann im PKW sitzen bleiben kann, 25 CHF) => Visp => Herbriggen


Höhenprofil der 4000er Tour


Beschreibung

Allgemein verläuft die gesamte Tour über Gletscher (Firn, Blankeis und eisdurchsetzter Fels). Steigeisen und das Gehen in einer Seilschaft sind unbedingtes Muss. Man sollte sich nicht durch breit ausgetretene Pfade verleiten lassen ohne Seil zu gehen. Aufgrund der technischen Anforderungen (Steigeisengehen/-klettern mit Pickel in gut 45° steilen Firn- und Blankeishängen, Felsklettern mit Steigeisen, luftige Blockfels- und Firngratüberschreitungen, Überquerung von Gletscherspalten) ist als Vorbereitung dringend ein alpiner Kombikurs (Eis und Fels) zu empfehlen.

Konditionell verlangt die Tour einiges von einem ab, da insgesamt gut 4200 Höhenmeter bis in Höhen von 4563m über dem Meer erklommen werden. Dies ist aufgrund der Höhe und wegen den teilweise anstrengenden Verhältnissen besonders hart.

Insgesamt war die Tour ein unvergessliches und großartiges Erlebnis! Die Tour war hervorragend organisiert. Großes Lob an unsere beiden Bergführer Berni und Andi von der Bergschule Oberallgäu (www.alpinschule.de)!

Tag 1:
Breithorn (4164m ü. M.)

Um 8 Uhr starteten wir mit dem Hoteltaxi nach Zermatt. Dort geht's quer durch den Ort zur Talstation der Seilbahn und dann damit auf das "Klein Matterhorn". Von der Bergstation geht man innerhalb von ca. 1.5 h auf den Gipfel des Breithorns (4164m ü. M.). Dazu nimmt man am besten den Aufstieg über die Westseite, damit man eine Breithornüberschreitung auf dem Grat in Richtung Osten machen kann. Der Grat ist luftig. Der Abstieg in südliche Richtung ist unproblematisch. Weiter geht's in Richtung Pollux.

Pollux (4092m ü. M.)

Man kann sagen, dass der Aufstieg zum Pollux-Gipfel der technisch anspruchsvollste auf der Tour ist. Man besteigt ihn am besten über den südwestlich ausgerichteten Felsgrat. Im unteren Teil durchquerten wir eine ca. 35° steile Blankeisrinne, die auch durchaus steinschlaggefährlich ist. Es schließt sich Blockkletterei an, die bald in 70°-80° steile Felskletterei übergeht. Diese Stelle ist mit Fixseilen gut gesichert. Man macht die gesamte Kletterei mit Steigeisen, da es zum Gipfel noch über einen mäßig ausgesetzten Firngrat geht. Wir haben den Rucksack am Fuße des Gipfelaufstiegs zurückgelassen. Leider hatte ich damit auch das GPS zurückgelassen, so dass der Track unvollständig ist. Der Abstieg verläuft über die gleiche Route. Alternativ kann man auch den Abstieg über die steile Firnflanke im Westen des Berges wagen (p*Daumen 45°).

Lambroneccahütte (3425m ü. M.)

Der weitere Abstieg zur Lambroneccahütte (3425m ü. M.), die auch Refugio Val d Ayas heißt, ist unproblematisch, aber wie fast alle Wege, von Spalten durchsetzt. Es geht am eindrucksvollen Eisbruch des Verragletschers vorbei. Mit der Tageserwärmung donnern bis spät in die Nacht alle paar Stunden Seracs talwärts. Die dabei entstehenden Geräusche waren so laut, dass ich in der Nacht trotz Ohrenstöpsel regelmäßig davon aufgewacht bin. Wir erreichten die Hütte um ca. 16 Uhr, nach einer Gehzeit von 6 Stunden und 35 Minuten. Die Hütte ist gemütlich, aber wie alle Hütten dieser Tour, überfüllt und sehr spartanisch: Plastikgeschirr, kaum fließend Wasser, große Lager (ca. 10 bis 20 Personen). Da man bei dieser Tour am ersten Tag mit der Seilbahn bis in eine Höhe von 3817m fährt, setzt einem am ersten Tag die Höhe ganz schön zu (Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen). Diese Symptome verschwanden bei mir im Laufe der Nacht.

Tag 2:
Castor (4223m ü. M.)

Aufstehen war für 4 Uhr angesetzt. Nach einem sehr einfachen Frühstück mit Zwieback und Marmelade waren wir um 5:30 Uhr abmarschbereit. Es ging zum Passo di Verra. Hier beginnt der Gipfelanstieg zum Castor (4223m ü. M.). Erst verläuft der Aufstieg mäßig steil (ca. 30°). Im weiteren Verlauf wird er steiler (schätzungsweise gut 40°) und man muss kurz vor dem Gipfelgrat eine eindrucksvolle Randspalte übersteigen. Bei uns bot sich dafür eine Eisbrücke an, die wir vorsichtig überkletterten. Der Gipfelgrat ist kurz und luftig. Leider befanden wir uns hier in dichten Wolken, so dass wir bis auf wenige kurze Momente keinerlei Aussicht genießen konnten. Der Abstieg zur Quintino Sella Hütte (3585m ü. M.) erfolgt unspektakulär über das Felikjoch. Jedoch gibt es natürlich wieder großartige Ausblicke auf gewaltige Eisfelder. Die Quintino Sella Hütte erreichten wir schon sehr früh am Vormittag, um 9:45 Uhr.

Tag 3:
Schlechtes Wetter!

Wie angekündigt erhielt eine Warmfront in der Nacht Einzug. Deswegen war an diesem Tag mit 4:30 Uhr "ausschlafen" angesagt, obwohl wir ein großes Tagespensum vor uns hatten. Um 6 Uhr sollte es losgehen! Wir standen draußen und warteten, bis alle fertig waren und da ging das Gewitter mit Regen los. Also alle wieder in die Hütte, zweites Frühstück. Um 7 Uhr starteten wir den zweiten Versuch. Diesmal erfolgreich. Es ging zwar durch dichte Wolken, so dass man als letzter kaum mehr den ersten Mann unserer 4er Seilschaft sehen konnte. Aber Berni, unser in diesem Gebiet sehr erfahrener Bergführer hatte nicht die geringsten Probleme den Weg zum Il Naso (4272m ü. M.) zu finden. Eigentlich sollte es nur über den Passo del Naso gehen, also in 4000m Höhe in der etwa 40° steilen Flanke des Il Naso um den Berg herum. An diesem Tag waren mehrere andere Seilschaften vor uns in dieser Flanke. Kurzzeitig kam hier sogar auch mal die Sonne raus.

Sonnenaufgang hinter dem Il Naso (4272m ü. M.)

Um den "Stau" in der Flanke zu umgehen, haben wir uns nach kurzer Überlegung entschlossen den "Il Naso" zu überschreiten. Es ging also steil nach oben, wo außer uns niemand anderes mehr war. Es gab hier auch noch keinerlei Spuren. Der Gipfelhang wurde immer steiler (schätzungsweise gut 45°) und an einigen Stellen eisig. Es war also Frontzacken- und Pickeleinsatz auf allen Vieren gefragt. Der Gipfel war natürlich wieder in Wolken, aber der Aufstieg war für uns trotzdem ein großartiges Erlebnis!

Der Abstieg verlief zunächst über einen einfachen Grat aus Blockfels in südliche Richtung, später über sulzigen Firn und eine große Randspalte, die wir sehr sanft auf dem Hintern rutschend überquerten, um die labile Schneebrücke nicht übermäßig zu belasten. Später gab es noch ein paar Spalten im Abstieg zu überqueren, alle aber deutlich weniger kritisch.

Jetzt begann der 380 Höhenmeter Aufstieg zur Ludwigshöhe (4314m ü. M.) durch sulzigen Firn. Nur deswegen sehr anstrengend, ansonsten technisch ein Spaziergang, aber alles im Nebel. Weiter ging es dann zum Schwarzhorn (4321m ü. M.) und Balmenhorn (4176m ü. M.). Diese beiden Gipfel kann man eigentlich zur Ludwigshöhe dazuzählen, da sie sich kaum durch Entfernung oder Höhe unterscheiden. Anstrengender ist der weitere Verlauf zur Vincent Pyramide (4215m ü. M.), da man zunächst 240m absteigen und dann wieder gut 100m aufsteigen muss. Aber auch dieser Gipfel ist einfach.

Gnifetti Hütte (3647m ü. M.): Blick in südliche Richtung

Der Endspurt zur Gnifetti Hütte (3647m ü. M.) verläuft über das Spaltengebiet des Colle Gnifetti. Wir kamen nach 8 Stunden und 40 Minuten an der überfüllten Gnifetti Hütte auf 3647m Höhe an. Der grandiose Ausblick aus dem (W)C-Fenster soll nicht darüber hinweg täuschen, dass hier die sanitären Verhältnisse, bedingt durch die fast 200 Hüttengäste und die fehlende Wasserspülung besonders schlecht sind (es gibt nur einen Stecken, mit dem man "die Reste" durch kratzen in das Loch im Fußboden "schubsen" kann, um die Sache etwas zu beschönen). Das Essen war jedoch gut.

Tag 4:
Aufstieg im Sonnenaufgang zur Parrotspitze (4432m ü. M.)

Aufgestanden wurde wieder um 4 Uhr. Heute gab's Traumwetter! Nach kurzem Frühstück starteten wir den Aufstieg zur Parrotspitze (4432m ü. M.). In der Nacht war es klar und kalt, so dass die Firndecke gut abstrahlen konnte. Es waren also beste Hochtourenverhältnisse. Wir gingen zügig über die Colle Gnifetti an den meisten anderen Seilschaften vorbei. Auf einer Höhe von 4250m begann der Gipfelanstieg, der über den zwar luftigen, aber sonst einfachen Westgrat (Firn) bis zum Gipfel führte.

Signalkuppe (4556m ü. M.)

Über den Ostgrat ging es zunächst 150 Höhenmeter nach unten, bevor wir den Aufstieg über das Seserjoch und die einfache Nordseite der Signalkuppe zur Ref. Regina Margherita (4556m ü. M.) angingen. Auf dieser Hütte machten wir kurz Rast. Aufgrund des schönen Wetters wurde die Hütte während dem Aufstieg und während unserer Anwesenheit mindestens 20 mal vom Hubschrauber der Air Zermatt angeflogen, um mit nahezu tonnenweise Material ver- und entsorgt zu werden.

Gipfelmadonna auf der Zumsteinspitze (4563m ü. M.)

Nach der Signalkuppe wagten wir den Aufstieg über den Grat zur Zumsteinspitze, dem mit 4563m höchsten Gipfel unserer Tour. Dabei gibt es etwas Blockkletterei zu überwinden.

Von nun an ging es, vorbei an den Steilhängen und Seracs des Liskamms, über die Gletscherzunge des Grenzgletschers gut 1760 Höhenmeter abwärts zur Monte Rosahütte auf 2795m Höhe.

Sonnenuntergang über dem Grenzgletscher, am Horizont das Matterhorn

Die gemütliche, aber sehr schlichte Monte Rosahütte wird bald durch eine neue Hütte ersetzt, von der knapp hundert Meter höher schon der Rohbau steht. Mit Hilfe von zahllosen Hubschrauberflügen wurde auch während unserer Anwesenheit weitergebaut. In der alten Hütte gibt es keine Waschräume und auch keine Toiletten. Für das kleine oder große Geschäft muss man das Haus verlassen und knapp 20m zum Toilettenhäuschen laufen (Plumpsklo). Waschmöglichkeit gibt es nur am Brunnen.

Am letzten Tag querten wir noch den Grenz- und den Gornergletscher an der Stelle, an der beide zusammen fließen. Bei uns herrschte hier Blankeis, so dass man sehr genau jede der hier unzähligen, tiefen Spalten von weitem sehen konnte. Unter diesen Bedingungen war die Gletscherüberquerung auch ohne Seil möglich, aber natürlich nur mit Steigeisen und entsprechender Routine gefahrlos. Wenn hier Schnee die Spalten verdeckt wird ein Seil benötigt. Da man aufgrund ihrer Breite nicht alle Spalten überspringen kann, muss man einige umgehen, so dass sich die kurze Distanz zum Fuße des Gornergrates relativ lange hinzieht. Nach dem Überqueren einer abendteuerlichen Brücke am Rande eines Toteis-Bereichs des Gornergletschers beginnt der Aufstieg über einen kleinen Wanderweg zur Gornergratbahnstation "Rotenboden" auf 2815m Höhe. Wir erreichten die Bahnstation wenige Minuten vor dem Losbrechen eines heftigen Gewitters.

Panoramablick vom Gornergrat auf die Monte Rosa und die Vereinigungsstelle des Gorner-, Grenz-, Zwillings-, Schwärze- und Breithorngletschers